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Studio Pona Brand Journal.

Interview mit Kommunikationsdesigner Manuel Kreuzer.

Interview
Michael Frick (Studio Pona)

Manuel Kreuzer ist mittlerweile nicht nur in Passau ein Begriff. Mit seinem Designbüro zeichnet er verantwortlich für außergewöhnliche typographische Gestaltungen und Erscheinungsbilder in Kultur und Wirtschaft. Sein besonderer Stil sticht hervor und ist gefragt. Ganz nebenbei ist Manuel ein sehr angenehmer Mensch und wir freuen uns, dass wir ihn für ein Interview im Brand Journal gewinnen konnten. 

Hallo Manuel! Kannst Du Dich und Deine Arbeit kurz vorstellen?

Servus Michael! Zunächst einmal herzlichen Dank für die Interview-Einladung. Die bisherigen Interview-Partner, die du für dein Brand Journal getroffen hast, sind sehr inspirierend und ich freue mich Teil des Brand Journals zu sein.

Mein Name ist Manuel Kreuzer und ich betreibe seit April 2004 mein eigenes Designbüro »Manuel Kreuzer—Büro für visuelle Gestaltung«. Angefangen habe ich in Hauzenberg bei Passau. Nach 10 Jahren hat es mich dann per Zufall direkt nach Passau verschlagen.

Ich kreiere Grafik- und Kommunikationsdesign für Kulturschaffende und -förderer, die öffentliche Hand oder Unter­nehmen der freien Wirtschaft. Neben meiner Haupttätigkeit als Grafik-Designer vereine ich unter dem Label studio095 zwei meiner großen Leidenschaften — Fotografie und Architektur. Hier versuche ich mit einer emotionalen Herangehensweise einen eigenen Stil in der Architekturfotografie zu schaffen.

Kommunikationsdesigner Manuel Kreuzer im Studio Pona Brand Journal Interview.

Kommunikationsdesigner und Typografie-Liebhaber Manuel Kreuzer.
Foto: Studio Weichselbaumer


Wie würdest Du Deine gestalterische Handschrift beschreiben?

Diese Frage ist schwierig zu beantworten. Ich wage trotzdem einen Versuch. Grundsätzlich denke ich, ist es neben der vordergründig typografischen Herangehensweise an die Projekte auch die intensive Auseinandersetzung mit Schrift, welche meine Arbeiten erkennbar machen. Dabei kann es zwischen minimalistischer bis extrem lauter Gestaltung alles geben. Je nachdem, welche gestalterische Sprache das Projekt für sich verlangt. 

Ich beschäftige mich täglich mit Schriften, recherchiere Neuerscheinungen und untersuche Unterschiede oder entdecke Details. Nuancen sind es oft, die die Eigenart einer Schrift ausmachen. Diese Liebe zum Detail in einer Schrift macht mir wirklich große Freude. Auch in meinen Arbeiten lege ich großen Wert auf Kleinigkeiten, auf Details, die vielleicht erst auf den zweiten oder dritten Blick erkennbar sind.

Mit der sorgfältig ausgewählten Schrift, unterstütze ich den Inhalt ­und die Wirkung eines Textes – ich verleihe ihm sozusagen seine Identität. Da braucht es dann oft nicht viel mehr.


Die von Manuel Kreuzer gestaltete Plakatserie »Arbeiter« für den Fotografen Martin Waldbauer, bestehend aus zehn unterschiedlichen Motiven.

Wann ist deine Leidenschaft für Typografie entbrannt?

Das ist jetzt einfach zu beantworten. Die Leidenschaft zu Schrift und Typografie hat sich bei mir im viersemestrigen, berufsbegleitendem Aus- und Weiterbildungsseminar »Typografie intensiv« unter Leitung von Rudolf Paulus Gorbach entfacht. Die intensive Auseinandersetzung mit Schrift und Gestaltung — wie der Name schon sagt — und die unkonventionelle und trotzdem strenge Vermittlung durch Herrn Gorbach und seine Dozenten, haben mich definitiv weitergebracht und mich und mein Denken teilweise grundlegend verändert. Eine weitere Vertiefung genoß ich dann später beim Nachdiplom-Studiengang CAS Typography and Print an der Zürcher Hochschule der Künste. Die Schweizer (Typo)Grafik ist genau mein Ding und dieses Studium hat dem Ganzen sozusagen die Krone aufgesetzt. Beides einzigartige Erfahrungen, die gleichzeitig schon sehr fordernd, aber unendlich lehrreich waren. Sie haben mich, mein Leben und meine Arbeitsweise definitiv verändert.

»Gestaltung ist vor allem Kopfsache. Ich muss nicht zwingend in einer Metropole meinen Schreibtisch aufstellen um gutes Design zu entwickeln.«

Dein Atelier befindet sich im niederbayerischen Passau. Wenn ich mir Deine Arbeiten ansehe, dann könnten diese auch in New York, Kopenhagen oder Amsterdam entstanden sein. Hat es dich nie von Passau weg in eine der Designmetropolen gezogen?

(lacht) Dankeschön. Das ehrt mich natürlich. Ich habe mein Büro 2004 in Hauzenberg gegründet. Mit Grafik-Design damals in so einer kleinen Stadt Geld zu verdienen, war nicht ganz einfach. Vor 15 Jahren hatten meine Frau und ich noch nicht die Lebenshaltungskosten, die wir vielleicht heute haben. Und ich hatte das große Glück, das monatlich erscheinende Hauzenberger Stadtmagazin »ui« mit aufzubauen und zu gestalten, das mir zumindest jeden Monat einen fixen Betrag auf meinem Konto bescherte. Selbstverständlich schaut man von da aus in die große weite Welt hinaus: Was machen all diese großartigen Designer, deren Arbeiten man aus den Fach-Magazinen kennt und einen Designpreis nach dem anderen abräumen. Da wurde ich schon manchmal wehmütig und träumte von den großartigen Aufträgen und von den lässigen Großstädten, wo praktisch alles erlaubt ist. Hamburg hätte uns damals schon sehr gefallen. Aber unsere Lebensumstände haben einen Wegzug nicht zugelassen oder vielleicht wollten wir es auch gar nicht wirklich.

Mein Büro hat sich mit der Zeit etabliert und ich hatte große Freude an der monatlichen Magazingestaltung. Das wollte ich nicht aufgeben und ganz von vorne anfangen. Trotzdem habe ich mich umgeschaut und nach Möglichkeiten der Weiterentwicklung gesucht und so bin 2008 auf die berufsbegleitende Weiterbildung »Typografie intensiv« im Design-Magazin »novum« aufmerksam geworden. Ich habe mich direkt bei der tgm (Typographische Gesellschaft München) als Vereinsmitglied angemeldet und mich gleichzeitig für das Seminar beworben, das ich schließlich 2009 beginnen durfte. Das war der erste Schritt nach »draußen«, den ich weiter ausgebaut habe. Mittlerweile verfüge ich über ein gutes Netzwerk an Kolleginnen und Kollegen aus dem kreativen Umfeld, auf das ich mit gutem Gewissen bauen kann.

Jetzt bin ich froh, »daheim« geblieben zu sein und hier in Niederbayern mit meiner Familie leben und auch arbeiten zu dürfen. Das geht wunderbar. Und man kann von da aus ohne Probleme auch für Auftraggeber außerhalb des Bayerischen Waldes arbeiten. Der Breitbandausbau ist mittlerweile sehr gut vorangeschritten und somit ist Remote Arbeit praktisch uneingeschränkt machbar. Durch die digitalen Medien und die Vernetzung, die uns zur Verfügung stehen, ist das Arbeiten von überall aus der Welt möglich. Außerdem ist Gestaltung vor allem Kopfsache, da muss ich nicht zwingend in einer Metropole meinen Schreibtisch aufstellen um gutes Design zu entwickeln. Im Gegenteil, die aktuelle Situation (Anmerkung der Redaktion: Das Interview fand während der Ausgangsbeschränkungen im April 2020 statt) zeigt, dass es fast ausschließlich Vorteile hat auf dem Land zu leben. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich im Garten mit meinem Sohn den Ball hin und her bolze oder im Sandkasten Burgen baue. In ein paar Minuten stehe ich mitten im Wald, kann abschalten und mich treiben lassen. Inspiration pur! 

Was macht für Dich die Qualität von gutem Design im Corporate-Kontext aus?

Das Design sollte in erster Linie funktionieren, dem Thema bzw. dem Produkt angemessen sein. Fast genauso wichtig ist für mich persönlich aber auch, dass das Design eine Eigenständigkeit besitzt und es handwerklich gut umgesetzt ist. Der Blick in die Glaskugel sollte bei der Entwicklung eines Corporate Designs auch nicht fehlen. Damit meine ich, dass das Design auch für die Zukunft skalierbar sein sollte. Ich bin ein Verfechter von flexiblen Erscheinungsbildern. Nicht zu starr sollten die Gestaltungsrichtlinien sein, dafür modular, variabel und prägnant.


Der von Manuel Kreuzer entwickelte Auftritt für die handgemachten, liebevoll hergestellten Bio Lebensmittel des Broinhofs.

Wie groß ist das Vertrauen bei Deinen Auftraggebern auch andere Wege zu gehen? Fordern sie bewusst Deinen Stil und Deine Gestaltung, oder musst Du bei Deinen Auftraggebern oftmals noch Überzeugungsarbeit für Deine Arbeit leisten? 

Klar, man muss sich immer wieder mal für seine Entscheidungen einsetzen und die richtigen Argumente finden. Aber ich habe in den letzten Jahren schon gemerkt, dass die Auftraggeber zu mir kommen, weil sie sich von meiner Arbeit angesprochen fühlen oder sich mit meiner Art der Gestaltung identifizieren können. Was mir aber auch schon aufgefallen ist, dass mancher Auftraggeber ein fertiges Projekt von mir sieht und mich explizit auf dieses eine anspricht und sagt: »So etwas möchte ich auch haben!«. Recht früh im Prozess merke ich aber, dass nicht einmal die Richtung zu diesem Auftrag bzw. zu dieser Person passt. Es ist halt so, dass es zwar eine Art gestalterische Handschrift gibt, was auch gut ist, aber dennoch ist es für mich selbstverständlich, dass jedes einzelne Konzept individuell auf die jeweilige Marke oder dem Auftraggeber zugeschnitten ist. Adaption ist somit nicht möglich und auch keineswegs gewollt.

Interview mit Kommunikationsdesigner Manuel Kreuzer.
Interview mit Kommunikationsdesigner Manuel Kreuzer.
Interview mit Kommunikationsdesigner Manuel Kreuzer.
Interview mit Kommunikationsdesigner Manuel Kreuzer.


Der Auftritt für den Waldkirchner Optiker Frame besticht durch Klarheit, typografische Details und einen, von Manuel Kreuzer selbst realisierten Bildstil.

Interview mit Kommunikationsdesigner Manuel Kreuzer.

Der Fachkräftemangel ist für alle Unternehmen präsent. Auf dem Land verstärkt sich diese Thematik noch weiter durch den Wegzug in Metropolen wie beispielsweise München oder Berlin. Ein Unternehmen, das auf eine starke Marke mit nachhaltigem Designanspruch setzt, kann sich hier auch klar vom Wettbewerb differenzieren. Haben Deine Kunden die Themen Design und Marke als Wettbewerbsvorteil erkannt?

Definitiv! Ich glaube, sonst würden meine Auftraggeber auch nicht den Weg zu mir finden. Wenn ich mich zurückerinnere, an die Anfangszeit meiner Selbstständigkeit, da war das Bewusstsein für eine klare Außendarstellung etwa von Einzelhändlern hier am Land fast gar nicht vorhanden. Das hat sich in den letzten Jahren aber sehr stark geändert. Ob es jetzt darum geht, neue Mitarbeiter für sein Unternehmen zu begeistern, bestehende Mitarbeiter zu binden, sich vom Wettbewerb abzuheben oder schlicht das Produkt ästhetisch-sichtbar mit einer guten und ehrlichen Geschichte auf dem Markt zu präsentieren, das sind alles Gründe, vielleicht gerade für Unternehmen am Land, um positiv wahrgenommen zu werden. Denn durch die digitalen Medien und der Globalisierung steht jeder Unternehmer praktisch mit Mitbewerbern aus der ganzen Welt in Konkurrenz. Die Wichtigkeit sich hier visuell und inhaltlich zu differenzieren, haben viele Kunden bereits erkannt. Es ist einfach so, dass sich Mitarbeiter heute mehr denn je die Frage nach dem Sinn ihres täglichen Handelns stellen. Für welche Firma arbeite ich? Passt das Unternehmen zu meinen persönlichen Werten? Welche Bedeutung, welchen Wert hat meine Tätigkeit? Sich als Unternehmen hier klar zu positionieren schafft langfristig die Markenbindung bei Kunden und Mitarbeitern. 

Ich bin im Übrigen der festen Überzeugung, dass jedes noch so kleine Geschäft es Wert ist, eine angemessene Außendarstellung zu bekommen. Da soll es keinen Unterschied geben, ob der Laden sich in einer Großstadt oder am Land befindet. Jede Geschäftsidee hat seine Berechtigung und seine Geschichte.


Vielen Dank für das Interview und die spannenden Einblicke!

Alle Informationen und weitere spannende Arbeiten von Manuel Kreuzer finden Sie auf www.mkreuzer.de.





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